Mortal Terror schlagen zurück: „Filthy Old Thrash“ zwischen Speed, Schweiß und ungebändigter Old-School-Wucht (Musikplaylist) [ Thrash Metal | Speed Metal | Heavy Metal ]

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Vierzig Jahre Underground und noch immer kein Interesse an altersgerechter Zurückhaltung: Mit „Filthy Old Thrash“ feiern Mortal Terror ihr Jubiläum nicht mit einer sentimentalen Rückschau, sondern mit neun rauen Attacken zwischen Thrash Metal, Speed Metal, NWOBHM und punkigem Rock’n’Roll. Das siebte Studioalbum der Kasseler klingt traditionsbewusst, aber keineswegs eingerostet – vielmehr wie eine Band, die ihre Werkzeuge über Jahrzehnte geschärft hat und nun erneut zum Angriff übergeht.

Hört hier den Titeltrack „Filthy Old Thrash“ von Mortal Terror an.

Die Geister von 1986

Das einminütige „Ghosts From The Past“ öffnet die Tür zu einer Vergangenheit, in der Thrash Metal noch in Jugendzentren, Kellern und verrauchten Clubs Gestalt annahm. Danach zieht „1986-6-6“ die Schrauben an. Der über sechs Minuten lange Rückblick auf das Gründungsjahr beginnt schwer und bedrohlich, ehe die Gitarren von Dirk Wieland und Andreas Klein in einen wuchtigen Galopp übergehen. Das Duo beschränkt sich nicht auf stumpfes Dauerfeuer, sondern arbeitet mit melodischen Gegenbewegungen, Tempowechseln und klassischen Heavy-Metal-Harmonien. Wieland setzt kantige Leads und bissige Soli, während Klein das rhythmische Fundament verdichtet und dem Material zusätzlichen Druck verleiht.

Beim Titelstück „Filthy Old Thrash“ tritt die Band das Gaspedal endgültig durch. Der Song verbindet ruppige Thrash-Riffs mit Speed-Metal-Schub und einer rotzigen Punk-Attitüde. Gleichzeitig erlaubt sich das Arrangement einen düsteren Mittelteil, bevor die Gitarren erneut zur Attacke blasen. Sänger Jann „Der Praktikant“ Hoffmann erweist sich dabei als entscheidender Gewinn. Er keift, brüllt, röhrt und schreit sich durch die Stücke, ohne auf einen einzigen Ausdruck festgelegt zu sein. Zusammen mit Wielands rauen Begleitstimmen entsteht ein variables Gesangsbild, das den Refrains zusätzliche Schlagkraft gibt.

Präzision unter der Schmutzschicht

„I Come For Everyone“ besitzt einen überraschend eingängigen Refrain, bleibt unter seiner hymnischen Oberfläche aber ein kompromissloser Nackenbrecher. Noch giftiger fällt „Cold, Ugly And Rotten“ aus. Der Titel ist Programm: Das Stück stampft zunächst schwer los, beschleunigt abrupt und verbindet Motörhead-artige Rauheit mit klassischem Teutonen-Thrash. Bassist Gerret „Roxx“ Geilich hält den Sound mit einem kräftigen, deutlich wahrnehmbaren Tieftonfundament zusammen. Seine Linien laufen nicht bloß den Gitarren hinterher, sondern geben den ruhigeren Passagen zusätzliche Bewegung.

Auch Jürgen Grauer am Schlagzeug spielt mit mehr Feinheiten, als die bewusst ungehobelte Produktion zunächst vermuten lässt. Seine Doublebass-Einsätze drücken, die Tempowechsel sitzen präzise, und seine kurzen Fills treiben die Gitarren immer wieder in den nächsten Abschnitt. Besonders „Under Attack“ profitiert von dieser Rhythmusarbeit. Der Song rast nicht permanent geradeaus, sondern lässt zwischen den schnellen Passagen schwere Grooves aufbrechen. „Deadly Class“ wirkt komplexer und verknüpft verschachtelte Riffs mit düsteren Akzenten, ohne sich in technischer Selbstdarstellung zu verlieren.

Speed, Schweiß und keinerlei Altersmilde

Spätestens „Here Is Some Speed“ macht deutlich, dass der Albumtitel nicht bloß nostalgische Dekoration ist. Wieland und Klein wechseln zwischen galoppierenden Rhythmen, melodischen Leads und rasanten Soli, während Hoffmann seine Stimme an die Belastungsgrenze treibt. Trotzdem bleibt genügend Raum für kurze Atempausen und traditionelle Heavy-Metal-Melodien. Das abschließende „We Own This Night“ bündelt schließlich die Stärken des Albums: drängende Gitarren, ein griffiger Refrain, punkige Angriffslust und eine Rhythmusgruppe, die jeden Tempowechsel geschlossen abfedert.

Natürlich erfinden Mortal Terror den Thrash Metal nicht neu. Einige Songlängen hätten etwas straffer ausfallen dürfen, und wer eine klinisch moderne Produktion erwartet, dürfte an der rauen Oberfläche abprallen. Doch gerade dieser unverfälschte Klang passt zum Material. Die Gitarren dürfen kratzen, das Schlagzeug klingt organisch, und der Bass verschwindet nicht unter einer digitalen Klangwand. Unter dieser Schmutzschicht steckt eine spielerisch starke Band, die ihre Einflüsse aus Thrash, Speed, Heavy Metal und Punk zu einem eigenständigen Gesamtbild verschmilzt.

Unsere Wertung:

8 von 10 Metalhands!

Unser Fazit:

„Filthy Old Thrash“ ist keine nostalgische Kostümveranstaltung, sondern ein glaubwürdiges Jubiläumsalbum einer Band, die nach vier Jahrzehnten noch immer mit Hunger und Überzeugung spielt. Jann Hoffmann liefert eine intensive und erstaunlich variable Gesangsleistung, Dirk Wieland und Andreas Klein kombinieren ruppige Rhythmusarbeit mit starken Leads, während Gerret Geilich und Jürgen Grauer ein ebenso druckvolles wie präzises Fundament legen. Nicht jede Idee ist neu und nicht jede Nummer müsste über fünf Minuten dauern, doch Energie, Handwerk und Haltung stimmen. Mortal Terror beweisen damit, dass alter Thrash nicht zwangsläufig abgestanden klingt – solange er derart entschlossen gespielt wird.

Mehr zu Mortal Terror im Netz

Mortal Terror – Die offizielle Webseite:
https://www.mortalterror.de/

Mortal Terror bei Facebook:
https://www.facebook.com/mortalterrormetal/

Filthy Old Thrash bei Bandcamp:
https://mortalterror.bandcamp.com/album/filthy-old-thrash-2

Filthy Old Thrash bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/album/18yyXZuQxXxob8MDYn4T1H

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