Veränderung muss nicht bedeuten, die eigene Geschichte abzureißen. Auf „Changes“ bewahren Fury In The Slaughterhouse ihre melodische Rockhandschrift, öffnen sie aber für neue Farben, politische Beobachtungen und den abgeklärten Blick einer Band, die nichts mehr beweisen muss. Hymnische Refrains treffen auf Melancholie, gesellschaftliche Haltung und sechs Musiker, deren Zusammenspiel nach beinahe vier Jahrzehnten erstaunlich lebendig klingt.
Veränderung ohne Identitätsverlust
Der Titelsong „Changes“ beginnt nachdenklich, wächst jedoch bald zu einem jener weit geöffneten Rockstücke heran, mit denen Fury In The Slaughterhouse seit Jahrzehnten große Bühnen füllen. Kai Wingenfelder singt nicht gegen sein Alter an. Seine markante, leicht angeraute Stimme gewinnt gerade durch ihre Lebenserfahrung an Gewicht. Er erzählt die Stücke, statt sie mit übertriebener Kraft zu überfahren. Das treibende „9 Lives“ liefert anschließend einen griffigen Refrain, während „Youth Is Wasted On The Young“ mit federndem Rhythmus und optimistischer Melodie zwischen Rückblick und Aufbruch vermittelt.
Die Gitarristen Thorsten Wingenfelder und Christof Stein-Schneider teilen ihre Aufgaben klug auf. Während Thorsten häufig das melodische und harmonische Fundament festigt, setzt Stein-Schneider kantigere Akzente, kleine Gegenmelodien und prägnante Leadfiguren. Gemeinsam vermeiden sie unnötige Selbstdarstellung und stellen ihre Fähigkeiten konsequent in den Dienst der Songs. Darunter spielt Christian Decker einen warmen, belastbaren Bass, der selbst in den poppigeren Momenten für Bodenhaftung sorgt. Schlagzeuger Rainer Schumann arbeitet ebenso kontrolliert: Seine Grooves drücken, ohne die Melodien zu erdrücken, und seine Fills sitzen dort, wo sie tatsächlich Wirkung entfalten.
Sechs Musiker, eine gemeinsame Handschrift
„Lost And Found“ verschiebt das Gewicht stärker in Richtung Pop-Rock, bleibt dank des Gitarrenspiels und der geschmackvollen Keyboardflächen aber fest im Bandsound verankert. Einen wichtigen Anteil daran hat Gero Drnek, der mit Keyboard, Gitarre und Mandoline die klanglichen Zwischenräume ausfüllt. Er drängt sich nie in den Vordergrund, gibt den Arrangements aber zusätzliche Tiefe. Bei „Viva La Revolución“ wird die Band bissiger und erinnert an ihre Nähe zur alternativen Kultur Hannovers. Der Song verbindet politische Haltung mit einem leicht punkigen Unterton, ohne daraus eine plumpe Parole zu machen.
Das ruhige „Believe“ lebt von Wingenfelders zurückgenommener Stimme und einer Melodieführung, die entfernt an amerikanischen Alternative Rock der Neunziger erinnert. „Fix This Crack“ verpackt Einsamkeit und Verlust dagegen in einen überraschend zugänglichen Refrain. Gerade hier zeigt sich die Stärke der Band: Fury In The Slaughterhouse können persönliche Verletzlichkeit ausdrücken, ohne in sentimentale Übertreibung abzurutschen. Produzent Vincent Sorg hält den Klang transparent und druckvoll. Akustische Instrumente, Keyboards und elektrische Gitarren bleiben klar unterscheidbar, wirken aber nie voneinander isoliert.
Zwischen Rückblick und Aufbruch
„When We Were Young“ blickt ohne kitschige Verklärung auf frühere Jahre zurück, während das von Mandoline und Folk-Färbung geprägte „Years Of Thunder“ zu den auffälligsten Stücken des Albums gehört. „Sister Moon“ reduziert das Arrangement und schafft dadurch einen der emotionalsten Momente. Mit „Sorrowland“ endet die Platte schließlich dunkler und gesellschaftskritischer. Ganz ohne Schwächen bleibt „Changes“ dennoch nicht. Einige Refrains bewegen sich sehr sicher auf bekannten Fury-Pfaden, und gelegentlich könnte die Band mutiger aus ihrer komfortablen Midtempo-Zone ausbrechen. Die Klasse der Musiker, das geschlossene Songwriting und die glaubwürdige Haltung gleichen diese Berechenbarkeit jedoch weitgehend aus.
Unsere Wertung:
8 von 10 Metalhands!
Unser Fazit:
Fury In The Slaughterhouse schließen mit „Changes“ ihre aus „Now“, „Hope“ und diesem Album bestehende Trilogie überzeugend ab. Die Platte wagt keine radikale Neuerfindung, klingt aber auch nicht wie die routinierte Pflichtübung einer längst im eigenen Denkmal eingerichteten Rockband. Kai Wingenfelders charaktervoller Gesang, das songdienliche Gitarrenspiel von Thorsten Wingenfelder und Christof Stein-Schneider, Christian Deckers tragender Bass, Rainer Schumanns präzise Rhythmusarbeit und Gero Drneks instrumentale Vielseitigkeit ergeben ein reifes, abwechslungsreiches Gesamtbild. „Changes“ handelt von Veränderung, ohne die eigene Identität aufzugeben – und genau deshalb funktioniert das Album.

Trackliste
- Changes
- 9 Lives
- Youth Is Wasted On The Young
- Lost And Found
- Viva La Revolución
- Believe
- Fix This Crack
- When We Were Young
- Years Of Thunder
- Sister Moon
- Dream About You
- Sorrowland
Credits
Interpret: Fury In The Slaughterhouse
Titel: Changes
Herkunft: Hannover, Deutschland
Format: Album
VÖ: 26. Juni 2026
Spielzeit: ca. 39 Minuten
Genre: Rock | Alternative Rock | Pop-Rock
Label: Seven.One Starwatch / Sony Music Entertainment
Produktion: Fury In The Slaughterhouse und Vincent Sorg
Besetzung: Kai Wingenfelder | Thorsten Wingenfelder | Christof Stein-Schneider | Christian Decker | Rainer Schumann | Gero Drnek
Mehr zu Fury In The Slaughterhouse im Netz
Fury In The Slaughterhouse – Die offizielle Webseite:
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