Punk mit Metalkante und Niemals PC, dafür steht die aus dem österreichischen Wien stammende Formation „Die Infizierten“ seit geraumer Zeit mit einer Konsequenz, die sich auch auf „Fear And Loathing (Live In Budapest)” eindrucksvoll niederschlägt. Dieser Mitschnitt setzt nicht auf überproduzierte Konzertästhetik, sondern auf unmittelbare Wirkung: laut, ungeschönt und mit jener physischen Präsenz, die ein Live-Release erst relevant macht. Die Band bündelt ihren Mix aus Punkrock, Deutschpunk, Hardcorepunk und metallisch gefärbter Härte erneut unter dem Etikett Aggropunk und beweist im S8 Underground Club in Budapest, dass diese Stücke gerade auf der Bühne ihre volle Schlagkraft entfalten. Was Veröffentlichungen wie „Bankrotter Punkrocker“ bereits angekündigt haben, erscheint hier noch verdichteter: direkter, schärfer und mit einem Nachdruck, der sich jeder Studio-Kosmetik entzieht. Präsentiert wird Fear And Loathing (Live In Budapest) auch von Martin „Otte“ Örtels Blattturbo.
Neuer Schnitt, dieselbe Abrissbirne
Bevor es ans Eingemachte geht, muss eine Änderung geklärt werden: Das ursprünglich verwendete Intro sowie die Nutzung des Songs „Nichts Ist Wie Es Scheint“ wurden in dieser Form untersagt. Beide Bestandteile mussten deshalb aus dem Konzertfilm entfernt werden, was eine neue Fassung unumgänglich machte. Die überarbeitete Version steigt nach einem kurzen, neu gesetzten Auftakt direkt mit „Die Infizierten“ ein. Das ist natürlich ärgerlich, nimmt dem Mitschnitt aber nichts von seiner Wucht. Im Gegenteil: Der Film kommt nun noch schneller zur Sache und knallt ohne lange Vorwarnung mitten ins Geschehen.
Vier Typen, ein Club und reichlich Radau
Auf der Bühne stehen Pinhead, DOC, N01Z und der inzwischen ausgestiegene BANDIT nicht herum, um hübsche Erinnerungsbilder zu produzieren. Hier wird gespielt, geschwitzt und ausgeteilt. Die Gitarren sägen mit ordentlich Metall im Gebiss durch den Club, während Bass und Schlagzeug dafür sorgen, dass der Laden nicht nur wackelt, sondern gefühlt gleich ein Stockwerk tiefer rutscht. Darüber brüllt Pinhead seine Zeilen mit einer Stimme heraus, die klingt, als hätte sie schon einige verrauchte Nächte, kaputte Verstärker und endlose Diskussionen am Tresen überlebt.
Bei „Heuchler“, „Judas“ und „Punkpolizist“ zeigt sich besonders deutlich, wie gut die Truppe im Konzertmodus funktioniert. Da wird nicht steril heruntergespielt, sondern mit Druck, Tempo und einer gehörigen Portion Trotz gearbeitet. Kleine Unebenheiten gehören dazu und machen diesen Film erst glaubwürdig. Punkrock muss schließlich nicht klinisch rein sein. Er muss treffen – und genau das tut er hier.

N0IZ – Schlagzeug und Hintergrundgesang
Pinhead – Hauptgesang und Bass
DOC – Gitarre und Hintergrundgesang
Gegen Heuchler, Geizhälse und falsche Rebellen
Textlich suchen Die Infizierten weiterhin nicht nach dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Abgefertigt werden Opportunisten, Konsumtrottel, selbst ernannte Szenewächter und all jene, die Rebellion am liebsten fertig verpackt im Sonderangebot kaufen würden. Die Aussagen kommen geradeheraus, manchmal böse, manchmal mit schwarzem Humor und grundsätzlich ohne höfliche Schleife drumherum. Wer diplomatische Zurückhaltung erwartet, ist bei einem Konzert namens „Fear And Loathing“ ohnehin an der falschen Adresse.
„Die Infizierten“ eröffnet nach dem kurzen neuen Auftakt direkt die Kampfzone, „Ekelhaft“ spuckt seine Abneigung ohne Umweg ins Publikum und „Bankrotter Punkrocker“ verbindet Selbstironie mit einem Seitenhieb auf jene Teile der Szene, die längst selbst zur Karikatur geworden sind. Das klingt nicht nach kalkulierter Empörung, sondern nach einer Band, die genau weiß, wem und was sie den ausgestreckten Mittelfinger zeigen möchte.
Der Club bleibt im Bild
Die größte Stärke von „Fear And Loathing (Live In Budapest)” ist seine Bodenhaftung. Hier wurde kein kleiner Club künstlich zur Stadionproduktion aufgeblasen. Das S8 Underground bleibt eng, dunkel und schwitzig – genau so, wie es sein sollte. Die Gitarren dürfen kratzen, das Schlagzeug darf scheppern und der Bass darf ordentlich gegen die Magenwand drücken. Dass dabei nicht jede Sekunde makellos klingt, ist kein Mangel, sondern Teil des Pakets. Ein Punkkonzert ohne Reibung wäre schließlich ungefähr so spannend wie alkoholfreies Dosenbier auf einer Abrissparty.
Die Aufnahmen und der Schnitt von Péter Drapkó bleiben nah an der Band, ohne mit hektischem Effektgewitter von der Musik abzulenken. Man bekommt die Enge des Raumes, die Bewegung auf der Bühne und die unmittelbare Atmosphäre des Abends zu spüren. Die Post-Produktion von Philipp Gottfried fügt das Material zu einem geschlossenen Konzertfilm zusammen, bewahrt dabei aber dessen ruppigen Charakter. Auch die notwendige Überarbeitung der neuen Fassung wurde so gelöst, dass kein notdürftig geflicktes Ersatzprodukt entstanden ist. Der Film wirkt weiterhin wie aus einem Guss.
Kein Hochglanz, kein Sicherheitsabstand
Mit „No More“, „Geiz Ist Geil“, „Schachmatt“, „Passed Out“ und „NISAED“ hält der Mitschnitt den Druck bis zum Ende hoch. Die Songs leben von einfachen, aber wirksamen Riffs, schnell zündenden Refrains und einer Band, die gemeinsam nach vorne marschiert. Niemand versucht, sich mit überflüssiger Selbstdarstellung in den Mittelpunkt zu drängen. Entscheidend ist der gemeinsame Krach – und der sitzt.
Damit ist dieser Film deutlich mehr als ein kleines Erinnerungsstück für Freunde und Stammgäste. Er dokumentiert eine Band, die ihren Platz zwischen Deutschpunk, Hardcorepunk und metallischer Härte gefunden hat und sich dort breitmacht, ohne um Erlaubnis zu fragen. Wer Die Infizierten bislang nicht kennt, bekommt hier einen ehrlichen Einstieg. Wer sie bereits kennt, weiß danach wieder, warum diese Truppe am besten funktioniert, wenn vor ihr ein Publikum und hinter ihr eine Wand aus Verstärkern steht.
Unsere Wertung:
8 von 10 Metalhands!
Unser Fazit:
„Fear And Loathing (Live In Budapest)” ist laut, eng, ungeschönt und so höflich wie ein Tritt gegen zwischen die Beine. Trotz der erzwungenen Entfernung des ursprünglichen Intros und von „Nichts Ist Wie Es Scheint“ bleibt die neue Version ein druckvoller Konzertfilm, der den Aggropunk von Die Infizierten ohne Sicherheitsabstand ins Wohnzimmer schleudert.

Trackliste der neuen Version
- Intro
- Die Infizierten
- Heuchler
- Judas
- Ekelhaft
- No More
- Bankrotter Punkrocker
- Punkpolizist
- Geiziges Intro
- Geiz Ist Geil
- Schachmatt
- Passed Out
- NISAED
- Outro / Credits
CREDITS
Interpret: Die Infizierten
Titel: „Fear And Loathing (Live In Budapest)”
Herkunft: Wien, Österreich
Format: Konzertfilm
VÖ: 27. Februar 2026
Genre: Punkrock | Deutschpunk | Hardcorepunk
Label: NRT-Records
Die Infizierten Are:
★ Pinhead : Bass & Lead Vocals
★ DOC : Guitars & Backing Vocals
★ N01Z : Drums & Backing Vocals
★ BANDIT : Guitars & Backing Vocals
Recorded in:
S8 Underground Club
Budapest
December 29th, 2025
Captured & Edited by:
Péter Drapkó
Post-Produktion:
Philipp Gottfried
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