MAD MAX erwecken auf „Stories Of Destiny“ 45 Jahre Bandgeschichte zu neuem Leben (Musikplaylist) [ Melodic Hard Rock | Heavy Metal | AOR ]

Ein Jubiläumsalbum kann den sicheren Weg über bekannte Erfolge nehmen. MAD MAX entscheiden sich auf „Stories Of Destiny“ für die schwierigere Variante und holen jene Songs zurück, deren Geschichte noch nicht beendet war. Zum 45-jährigen Bestehen versammelt die Münsteraner Hard-Rock-Institution elf Stücke aus unterschiedlichen Phasen: neu interpretierte Kompositionen, zwei bislang unveröffentlichte Archivfunde aus dem Jahr 1991, eine frische Aufnahme des frühen Bandklassikers „Piece Of Candy“ und dessen spanische Fassung. Damit ist die Platte weder ein reguläres Werk aus vollständig neuem Material noch eine gewöhnliche Rückschau. Sie erzählt die Laufbahn von Gitarrist und Gründer Jürgen Breforth anhand liegen gebliebener, unterschätzter und für die Gegenwart neu eingespielter Songs. Der neue britische Sänger Alan Clark gibt ihnen eine gemeinsame Stimme, während Originalfrontmann Andreas Baesler für zwei besondere Auftritte zurückkehrt. Das Ergebnis verbindet Melodic Hard Rock, klassischen Heavy Metal und AOR erstaunlich schlüssig, bleibt bei aller historischen Bedeutung musikalisch jedoch häufig auf vertrautem Terrain.

Seht hier das offizielle Lyric-Video zu „Silver“ von MAD MAX.

Alte Geschichten in einer neuen Besetzung

Der Titel „Stories Of Destiny“ stammt von Schlagzeuger Axel Kruse und beschreibt das Konzept präzise. Seit der Gründung 1981 blieb Jürgen Breforth der Fixpunkt von MAD MAX, doch um ihn herum wechselten Besetzungen, Plattenfirmen und musikalische Voraussetzungen. Einige Kompositionen erschienen in anderer Form, andere verschwanden nach Demoaufnahmen auf Kassetten und manche bekamen nach Ansicht ihres Autors nie die Aufmerksamkeit, die sie verdient hätten. Statt diese unterschiedlichen Quellen lediglich zusammenzustellen, spielte die heutige Formation das Material neu ein. Die alten Arrangements wurden weitgehend bewahrt, während die Produktion von Rolf Munkes Gitarren, Bass und Schlagzeug auf einen einheitlichen Stand bringt. Gerade diese Entscheidung verhindert, dass die Platte wie eine lose Sammlung von Bonusstücken klingt.

Der wichtigste neue Faktor ist Alan Clark, bekannt von Dark Heart. Sein heller, kräftiger Gesang trägt deutlich britische Züge und rückt MAD MAX näher an jene Einflüsse heran, die Breforth zu Beginn prägten: früher Def-Leppard-Hard-Rock, die melodische Seite der NWoBHM und klassische Gitarrenmusik zwischen Saxon und Thin Lizzy. Clark versucht nicht, seinen langjährigen Vorgänger Michael Voss zu imitieren. Er phrasiert geradliniger, setzt hohe Töne ohne übertriebene Theatralik und besitzt genügend Rauheit, um auch die härteren Riffs glaubwürdig zu führen. Vor allem ermöglicht sein Umfang, frühe Stücke in ihrer ursprünglichen Tonlage zu spielen. So wird der Sängerwechsel nicht zum Bruch, sondern zum hörbaren Bestandteil des Jubiläumsgedankens.

Der Opener „Silver“ zeigt diese neue Ausrichtung besonders deutlich. Breforth schrieb den Song bereits 2001 gemeinsam mit Andreas Bruhn für eine Produktion mit dem früheren MSG-Sänger Gary Barden. In der Fassung von MAD MAX treten die Keyboards zurück, während die Gitarren das melodische Gerüst deutlicher bestimmen. Die leicht geheimnisvollen Strophen führen in einen großen, von Chören gestützten Refrain, der ohne Anlauf im Gedächtnis bleibt. Clark gibt der Melodie Eleganz, verliert über den kräftigeren Akkorden aber nicht an Präsenz. Ein sauber aufgebautes Solo liefert den erwarteten Höhepunkt. Die Nummer erfindet den melodischen Hard Rock nicht neu, eröffnet das Album jedoch mit genau der Mischung aus Zugänglichkeit und Substanz, die viele spätere Stücke anstreben.

„Weapons Of Love“ stammt aus dem Jahr 1991 und wurde erst jetzt aus dem Archiv geholt. Die damalige Struktur blieb erhalten, weshalb der Song mit seinen direkten Akkordwechseln, dem federnden Rhythmus und der sofort verständlichen Hook unverkennbar aus der Hochzeit des europäischen Melodic Rock kommt. Die heutige Aufnahme gibt ihm mehr Druck, ohne die AOR-Nähe zu verdecken. Das funktioniert ausgesprochen gut, auch wenn Text und Refrain das vertraute Vokabular des Genres kaum erweitern. „Keep You Alive“ setzt anschließend härter an. Nach dem zurückgenommenen Beginn schiebt sich ein dunkles, schweres Hauptriff nach vorne, das dem gemeinsam mit Helloween-Gitarrist Sascha Gerstner entstandenen Stück beinahe Power-Metal-Gewicht gibt. Die mystische Bildsprache und Clarks entschlossener Vortrag machen es zu einem der markantesten Titel der Platte.

Seht hier das offizielle Lyric-Video zu „Keep You Alive“ von MAD MAX.

Ein Riff von 1981 verbindet zwei Sänger

Mit „Far Behind“ nimmt das Album anschließend etwas Gewicht aus den Gitarren und setzt stärker auf Melodie. Die Strophen wirken nachdenklicher, der Refrain öffnet sich weit und Clark zeigt, dass seine Stimme nicht nur für metallische Höhe geeignet ist. Inhaltlich kreist der Song um Vergangenes, das scheinbar zurückgelassen wurde und dennoch Teil der eigenen Geschichte bleibt. Damit berührt er den Kern des Albums direkter als manche ausdrücklich als Jubiläumsstück präsentierte Nummer. Die Gitarren spielen kontrolliert miteinander, ohne jede freie Stelle mit zusätzlichen Spuren zu füllen. Gerade diese Ruhe macht „Far Behind“ zu einem der Titel, die auch unabhängig von ihrer Vorgeschichte bestehen können.

Im Zentrum steht dennoch „Piece Of Candy“. Sein Hauptriff war die erste Gitarrenidee, die Breforth 1981 für MAD MAX schrieb; Andreas Baesler steuerte damals den Text bei. Für die neue Version behielt die Band nicht nur das ursprüngliche Arrangement, sondern auch die reguläre E-Stimmung bei. Clark könnte das Stück allein tragen, doch erst Baeslers Rückkehr gibt der Aufnahme ihren besonderen Sinn. Beide Sänger wechseln und ergänzen sich, ohne dass der Auftritt des Gründungsfrontmanns wie ein nachträglich eingefügter Ehrengast wirkt. Baeslers rauerer Ton erinnert an den frühen Heavy-Rock-Charakter, Clark sorgt für die melodische Verbindung zur Gegenwart. Das schlichte Riff beweist dabei erneut, dass Wiedererkennbarkeit nicht von technischer Komplexität abhängt.

Der historische Wert allein würde allerdings nicht genügen, wenn die Neuaufnahme keinen eigenen Antrieb besäße. Axel Kruse setzt einen trockenen, geradlinigen Beat, Fabian Watermann hält den Bass beweglich und die Gitarren von Breforth und Dethy Borchardt schieben das Stück mit deutlich kräftigerem Ton an. Dennoch wird die Herkunft nicht geglättet: Aufbau, Riff und Refrain bleiben hörbar in den frühen Achtzigern verankert. Genau darin liegt die Stärke. MAD MAX behandeln das Material nicht wie eine Vorlage, die zwanghaft modernisiert werden müsste, sondern wie einen alten Song, dessen Kern noch funktioniert. Wer große Überraschungen erwartet, bekommt sie hier nicht; wer verstehen will, worauf die Band aufgebaut wurde, erhält den deutlichsten Moment des Albums.

Auch „‚Til The End Of Time“ überdauerte seit 1991 auf einer Kassette. Die Band nahm sämtliche Instrumente neu auf, hielt aber am damaligen Arrangement fest. Entsprechend bewegt sich der Song in einem mittleren Tempo, lässt die Akkorde breit stehen und setzt auf einen hoch geführten Refrain. Clark erreicht diese Lagen mit bemerkenswerter Sicherheit, während die zweistimmigen Gitarren zwischen deutschem Hard Rock und dem melodischen US-Metal jener Zeit vermitteln. Die Nummer besitzt genügend Dynamik, um nicht wie ein bloßer Archivfund zu wirken. Gleichzeitig macht sie deutlich, weshalb „Stories Of Destiny“ gelegentlich etwas zu ordentlich erscheint: Jeder Übergang sitzt, jede Steigerung kommt an der erwarteten Stelle und nur selten widersetzt sich ein Arrangement der bekannten Form.

Stampfer, Liebesschmerz und die unvermeidliche Ballade

„Bullet“ begegnet dieser Berechenbarkeit mit einem schwereren Groove. Das Stück nimmt sich fast fünf Minuten Zeit, drückt in den Strophen deutlich kräftiger und gibt Clark Raum für einige seiner höchsten Linien. Der Refrain zündet nicht ganz so unmittelbar wie bei „Silver“ oder „Far Behind“, gewinnt aber durch die kompakte Rhythmusarbeit und Clarks energischen Vortrag. Direkt danach setzt „Mad Gone Blind“ auf kürzere Wege. Bass und Schlagzeug treiben die Nummer zügig an, die Gitarren antworten einander mit klassischen Hard-Rock-Figuren und der Refrain ist erkennbar für die Bühne gebaut. Das macht Spaß, bleibt neben den geschichtlich aufgeladenen Stücken aber einer der konventionelleren Beiträge.

Bei „She Was Mine“ rückt die Band den emotionalen Anteil wieder nach vorne. Der klassische Beziehungsschmerz wird ohne komplizierte Umwege erzählt, musikalisch bleiben die Gitarren zunächst zurückhaltender und geben Clark die Führung. Im Refrain wird das Arrangement breiter, ohne bereits vollständig in Balladenpathos zu wechseln. Der Song erfüllt seine Funktion im Ablauf, besitzt aber weniger Eigenprofil als die stärksten Titel. Manche Melodiewendung ist schon beim ersten Hören vorhersehbar, und gerade hier hätte ein rauerer oder sparsamerer Ansatz zusätzliche Spannung erzeugen können.

Die eigentliche Powerballade folgt mit „Wings Of Freedom“. Akustisch geprägte Passagen, langsam anwachsende Gitarren und ein betont hymnischer Refrain bedienen sämtliche Erwartungen, die mit dieser Rolle verbunden sind. Clark singt kontrolliert und vermeidet übermäßiges Pathos, während Kruse den Aufbau geduldig zusammenhält. Das Stück ist handwerklich überzeugend und dürfte live zuverlässig funktionieren. Gleichzeitig wagt es kaum eine Abweichung von der klassischen Dramaturgie einer Hard-Rock-Ballade. Wo „Far Behind“ seine Nachdenklichkeit beiläufiger entwickelt, formuliert „Wings Of Freedom“ jedes große Gefühl deutlich aus. Anhänger traditioneller Melodic-Rock-Alben werden genau das schätzen; überraschend ist es nicht.

Zum Abschluss kehrt Andreas Baesler mit „Dulces Falsos“ zurück. Es handelt sich um die spanische Fassung von „Piece Of Candy“ und zugleich um den ersten spanisch gesungenen Titel in der Geschichte von MAD MAX. Baesler lebte viele Jahre in Kuba und schrieb den Text selbst, weshalb die Übertragung natürlich klingt und nicht wie eine bloße Übersetzung Wort für Wort. Der Bezug zu den Fans in Lateinamerika ist nachvollziehbar: Nach Konzerten in Bogotá und Popayán 2023 entwickelte sich dort auch das Comicprojekt mit dem mexikanischen Zeichner Maestro Arturo Said. Als eigenständige Komposition erweitert der Schlusstitel das Album allerdings nicht. Er wiederholt bewusst dessen ältestes Riff und wirkt deshalb eher wie ein sinnvoll platzierter Bonus als wie ein vollwertiges Finale.

Rolf Munkes hält vier Jahrzehnte zusammen

Dass Stücke aus den Jahren 1981, 1991, 2001, 2008 und späteren Schreibphasen als Album funktionieren, ist vor allem der gemeinsamen Aufnahmeweise zu verdanken. Rolf Munkes nahm „Stories Of Destiny“ in den Empire Studios in Bensheim auf, mischte das Material und verantwortete gemeinsam mit der Band die Produktion. Sein Klangbild ist sauber und kräftig, ohne die Gitarren hinter einer übermäßig dichten Wand verschwinden zu lassen. Breforth und Borchardt stehen deutlich im Vordergrund, Watermann erhält besonders in den Übergängen genügend Raum und Kruses Schlagzeug besitzt Druck, ohne künstlich vergrößert zu wirken. Das Mastering hält die Lautstärke hoch, lässt den ruhigeren Passagen von „Far Behind“ und „Wings Of Freedom“ aber noch Luft.

Alan Clark profitiert am stärksten von dieser Klarheit. Seine Stimme sitzt stets über den Instrumenten und bleibt auch in den hohen Registern verständlich. Gelegentlich geraten die Chöre sehr glatt, doch der Sänger selbst klingt weder überproduziert noch austauschbar. Besonders bei „Keep You Alive“, „Far Behind“ und „‚Til The End Of Time“ zeigt er, dass er Härte, Melodie und klassische Rockdramaturgie gleichermaßen beherrscht. Andreas Baesler bildet dazu einen wirkungsvollen Kontrast. Seine beiden Auftritte werden nicht inflationär genutzt und behalten gerade deshalb Gewicht.

Die geschlossene Produktion kann die unterschiedlichen Ursprünge allerdings nicht vollständig verbergen. Einige Songs besitzen den sofortigen Zug einer starken Single, andere leben stärker von ihrer Entstehungsgeschichte als von einer außergewöhnlichen Komposition. Zudem folgt die Mehrzahl einem vertrauten Aufbau aus Riff, kontrollierter Strophe, anwachsendem Übergang und großem Refrain. Das ist souverän gespielt und stilistisch konsequent, erzeugt über 45 Minuten aber auch vorhersehbare Momente. Ein weniger geglätteter Mix, überraschendere Tempowechsel oder ein Stück außerhalb der etablierten Hard-Rock-Sprache hätten dem Album zusätzliche Spannung gegeben.

Trotzdem geht das Konzept auf. „Stories Of Destiny“ behauptet nicht, ein radikaler Neubeginn zu sein, und tarnt alte Ideen auch nicht als vollständig neues Material. Die Band legt ihre Quellen offen und macht gerade deren unterschiedliche Wege zum Thema. Dadurch erhalten die Archivstücke einen Zusammenhang, während Alan Clark glaubwürdig eine neue Phase eröffnet. Besonders „Silver“, „Keep You Alive“, „Far Behind“ und „Piece Of Candy“ verbinden historischen Wert mit gegenwärtiger musikalischer Wirkung. Das Jubiläum wird so nicht zur Selbstbeweihräucherung, sondern zu einer Bestandsaufnahme mit einigen sehr guten Songs und wenigen allzu sicheren Entscheidungen.

Unsere Wertung:

8 von 10 Metalhands!

Unser Fazit:

„Stories Of Destiny“ feiert 45 Jahre MAD MAX, ohne sich auf eine gewöhnliche Best-of-Auswahl zu verlassen. Jürgen Breforth holt unveröffentlichte Stücke aus dem Jahr 1991 zurück, überführt frühere Kollaborationen in den heutigen Bandsound und stellt mit „Piece Of Candy“ sein erstes Riff neben dessen spanische Neufassung. Rolf Munkes gibt diesem Material aus mehreren Jahrzehnten eine kraftvolle, einheitliche Produktion. Entscheidend ist jedoch Alan Clark: Der neue Sänger bringt eine glaubwürdige britische Färbung, sichere Höhen und genügend Charakter mit, um die Songs nicht lediglich zu verwalten. Originalfrontmann Andreas Baesler macht das Jubiläum durch seine Auftritte bei „Piece Of Candy“ und „Dulces Falsos“ zusätzlich greifbar. Mit „Silver“, „Keep You Alive“, „Far Behind“ und der neuen Version von „Piece Of Candy“ enthält die Platte mehrere überzeugende Höhepunkte. Nicht jede wiederentdeckte Komposition besitzt dieselbe Klasse, einige Arrangements bleiben sehr sicher und die spanische Schlussnummer ist musikalisch letztlich eine Wiederholung. Als bewusst zusammengestelltes Jubiläumsalbum funktioniert „Stories Of Destiny“ dennoch ausgesprochen gut: traditionsverbunden, melodisch, ehrlich gespielt und stark genug, um Clark nicht nur als Gast der Vergangenheit, sondern als Stimme der nächsten Bandphase vorzustellen.

Mehr zu MAD MAX im Netz

MAD MAX – Die offizielle Webseite:
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„Stories Of Destiny“ streamen oder bestellen:
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