Dathomirror Doors – „Abandon Love“: Wenn verletzte Herzen auf Vergeltung sinnen (Musikplaylist) [ Gothic Rock | Gothic Metal ]

Liebe aufgeben klingt zunächst nach einer Entscheidung. Tatsächlich steckt darin oft das Eingeständnis, dass die eigenen Erwartungen gründlich gescheitert sind. Dathomirror Doors wählen mit „Abandon Love“ einen Titel, der diese Spannung unmittelbar aufmacht. Das Duo aus Joey Depp und Ant Demico verbindet Gothic Rock, metallische Härte und elektronische Elemente. Fünf Stücke bilden einen überschaubaren Rahmen für eine ausgesprochen ungemütliche Gefühlswelt. Schon die Songtitel sprechen von Verletzung, Einsamkeit und Vergeltung. Eine versöhnliche Liebeserklärung dürfte hier also niemand erwarten.

Hört hier die EP „Abandon Love“

Wenn Misstrauen zum Selbstschutz wird

Der eröffnende Titeltrack stellt räumliche Gitarren gegen eine unruhige rhythmische Grundlage. Dazu kommt ein Gesang, der verlorenes Vertrauen ausdrücklich zum Thema macht. „Burned Alive“ nimmt anschließend etwas Druck heraus und arbeitet mit wiederkehrenden Gesangslinien und deutlichem Hall. Damit stehen bereits unterschiedliche Ausdrucksformen nebeneinander: die direkte Ansage und ein stärker atmosphärisch geprägter Zugriff.

Interessant ist zunächst die Mehrdeutigkeit des EP-Titels. „Abandon Love“ lässt sich als Aufforderung lesen, jede Bindung hinter sich zu lassen. Ebenso denkbar ist eine verzweifelte Selbstanweisung: ein Satz, den jemand wiederholt, weil er selbst noch nicht daran glaubt. Diese zweite Lesart erscheint besonders reizvoll. Wer die Liebe ausdrücklich verabschieden muss, hat mit ihr möglicherweise längst nicht abgeschlossen. Hinter demonstrativer Härte könnte dann eine Verletzlichkeit stehen, die sich nur noch in Ablehnung ausdrücken kann.

Fünf Titel, mehrere mögliche Perspektiven

Auch „Burned Alive“ besitzt als Bild eine eindeutige körperliche Dimension. Der Titel beschreibt kein abstraktes Unbehagen, sondern eine kaum erträgliche Situation. Im Zusammenhang mit „Abandon Love“ lässt er an Gefühle denken, die nach dem Ende einer Verbindung weiterwirken. Das ist eine mögliche Interpretation der Wortwahl, keine belegte Inhaltsangabe des gesamten Songtextes. Gerade diese Unterscheidung lohnt sich: Die Titel öffnen einen Deutungsraum, ohne sämtliche Hintergründe preiszugeben.

„Die Alone“ verschärft die musikalische Gangart mit bestimmterem Bass, druckvoller Rhythmik und aggressiverem Gesang. „Evil Spell“ setzt nach einem dröhnenden Beginn noch deutlicher auf Härte. Den Abschluss bildet „Suffer You Will“, bei dem rhythmische Akzente und eine schneidende vokale Darbietung hervortreten.

Auf der sprachlichen Ebene ergibt sich daraus eine bemerkenswerte Folge. „Die Alone“ kann als Angst, Feststellung oder Verwünschung verstanden werden. „Evil Spell“ bringt dagegen die Vorstellung einer fremden, schwer abschüttelbaren Macht ins Spiel. Bei „Suffer You Will“ erhält das Leiden schließlich einen Adressaten. Aus diesen Titeln lässt sich eine Bewegung von Selbstschutz zu Vergeltung herauslesen. Eine ausdrücklich bestätigte Konzeptgeschichte ergibt sich daraus allerdings nicht.

Dunkle Bilder brauchen einen eigenen Blick

Für eine solche Veröffentlichung liegt die Herausforderung auf der Hand. Verletzung, Flüche und Einsamkeit gehören seit Jahrzehnten zum Wortschatz düsterer Rockmusik. Allein ihre Verwendung garantiert deshalb weder emotionale Tiefe noch Eigenständigkeit. Entscheidend ist, welche Haltung dahinter erkennbar wird. Besonders ergiebig erscheint hier die Frage, ob die angekündigte Abkehr von Liebe tatsächlich Befreiung bedeutet. Vielleicht beschreibt sie ebenso eine neue Abhängigkeit: Wer sein Denken vollständig an einer Enttäuschung ausrichtet, bleibt weiterhin an sie gebunden.

Diese Ambivalenz macht den gedanklichen Zugang zur EP interessanter als eine bloße Aufzählung ihrer finsteren Motive. Wut kann Handlungskraft zurückgeben, aber auch jede andere Empfindung verdrängen. Rückzug kann schützen und zugleich isolieren. Solche Widersprüche muss Musik nicht auflösen. Sie darf sie stehen lassen und ihrem Publikum zumuten, darin eigene Erfahrungen wiederzuerkennen. Als Interpretationsansatz passt das gut zu einer Veröffentlichung, deren Titel so entschieden klingt und dennoch Fragen offenhält.

Wertung:

8 von 10 Metalhands!

Unser Fazit:

„Abandon Love“ bietet einen Ansatzpunkt für die Beschäftigung mit enttäuschtem Vertrauen und seinen möglichen Folgen. Besonders spannend ist die Lesart, dass hinter der Absage an Nähe weiterhin ein Bedürfnis nach ihr steckt. Ob man diese Perspektive teilt, bleibt offen. Eine einfache Gleichung aus dunkler Ästhetik und tiefen Gefühlen wäre jedenfalls zu bequem. Dathomirror Doors geben mit ihrer Titelauswahl Anlass, genauer über das Verhältnis von Verletzung, Abwehr und Vergeltung nachzudenken.

Releaseinformationen

Interpret: Dathomirror Doors
Titel: Abandon Love
Format: EP | digital
Veröffentlichung: 11. September 2026
Spielzeit: 19 Minuten und 42 Sekunden
Genre: Gothic Rock | Gothic Metal
Herkunft: USA
2026 Dathomirror Doors

Trackliste

  1. Abandon Love
  2. Burned Alive
  3. Die Alone
  4. Evil Spell
  5. Suffer You Will

Besetzung und Produktion

Mitglieder: Joey Depp und Ant Demico
Mix und Mastering: Joey Depp
Studio: Dathomirror Studios

Mehr zu Dathomirror Doors im Netz

Joey Depp bei Instagram:
https://www.instagram.com/joeydeppofficial/

„Abandon Love“ bei YouTube:
https://www.youtube.com/playlist?list=OLAK5uy_lOS7rakFIG2vHrrmf4Cf0msvDGiBu5ZvA

„Abandon Love“ bei Apple Music:
https://music.apple.com/us/album/abandon-love-ep/6811257992

„Abandon Love“ bei Spotify:
https://open.spotify.com/album/7n91XePaDZARvLH6JMIrsf

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