Thin Lassie – Punkrocker aus einer fernen Galaxie Namens Duisburg lassen „Invaders From Venus“ auf die Szene Los! (Musikplaylist) [ Punkrock | Punk | Space Punk ]

Thin Lassie liefern mit „Invaders From Venus“ keine geschniegelte Sci-Fi-Parodie ab, sondern eine kurze, bissige und erstaunlich treffsichere Punkrock-Attacke, die ihre Liebe zu Comics, billigen Weltraumfantasien und kaputtem Humor offen vor sich herträgt. Die Band aus Duisburg packt vier Songs auf diese EP, und keiner davon wirkt wie bloßes Füllmaterial oder halbgarer Szenegag. Stattdessen treffen knackige Riffs, kernige Rhythmusarbeit und ein Gespür für eingängige Refrains auf ein Konzept, das irgendwo zwischen Kellerclub, Kioskheft und außerirdischem Trashkino siedelt.

Hört hier „Invaders From Venus“ von Thin Lassie kostenlos an

Dass hier mit Danu alias Wolle Pannek ein Mann aus dem Umfeld von Eisenpimmel und mit Dirk Löber ein Musiker von Vier Meter Hustensaft mitmischen, erklärt, warum das Material so selbstverständlich sitzt: Die Songs sind knapp, auf Zug gebaut und wissen genau, wann ein Refrain knallen, ein Riff nachfassen oder ein schräger Synth-Effekt den nächsten Grinser auslösen muss.

Vier Songs, null Leerlauf

Schon „Scruffy Looking Nerf Herder“ bringt die Sache auf den Punkt. Das Stück funktioniert als augenzwinkernde Star Wars-Referenz, aber eben auch als verdammt guter Opener. Statt in Nostalgie zu baden, stellen Thin Lassie eine schäbige Antiheldenfigur ins Zentrum, die mit Dreck, Witz und Sturheit durchs All stolpert. Dazu passt der musikalische Zugriff perfekt: straffes Midtempo, ein sofort greifendes Gitarrenmotiv und ein Rhythmusfundament, das eher schiebt als posiert. Alex singt das Ganze mit einer bewusst spitzen, leicht cartoonhaften Note, die sofort Wiedererkennungswert erzeugt und tatsächlich Erinnerungen an Roger aus American Dad weckt. Der Clou dabei: Diese Stimme ist kein Humoraufsatz, sondern reiner Zufall und wirkt wie ein gewollter Teil des Gesamtkonzepts. Sie macht aus einem ohnehin guten Punksong einen Charakterkopf. Man hört, dass die Band nicht einfach Referenzen abhakten wollte, sondern jede Pointe in eine funktionierende Songstruktur eingepasst hat.

Alien-Invasion mit Widerhaken

Der Titelsong „Invaders From Venus“ verschiebt die Platte dann von der Popkultur-Spielerei in eine deutlich giftigere Richtung. Alarmierende Sirenen, Gitarren mit sofortigem Zugriff und eine Melodie, die sich festsetzt, bilden das Gerüst für einen Text, der Invasion nicht als pulpiges Laserfeuer, sondern als System aus Entmündigung, Gedächtnislöschung und kalter Verwaltung denkt. Genau hier liegt die Stärke des Stücks: Thin Lassie nehmen die Bildsprache von Comics und B-Movies, um darin Gesellschaftssatire unterzubringen, ohne den Song mit Bedeutung zu erschlagen. Noch direkter wird das bei „The Lizard Men“. Der Track rennt los wie ein schlecht gelaunter Hardcore-Zug und nimmt dabei Verschwörungsmythen, Reptiloidenfantasien und die ganze dumpfe Paranoia-Industrie zielsicher aufs Korn. Die Chöre sitzen, das Tempo passt, und die Band beweist, dass sie bei aller Ironie exakt weiß, wie man einen Song auf Eskalation trimmt, ohne dass er auseinanderfällt. Das ist roh, eingängig und live vermutlich der sichere Auslöser für fliegende Ellenbogen.

Weltraum – Alien Fear und Sado-Maßo Romanzen mit ACK ACK

Mit „My Ex From Mars“ gönnt sich die EP zum Schluss noch einen Schlenker in Richtung schräger Weltraum-Romanze. Der Song ist melodischer angelegt, arbeitet mit hymnischen Chören und kleinen Synth-Akzenten und entwickelt gerade dadurch einen fast schon hinterhältigen Ohrwurmcharakter. Besonders schön ist, wie locker die Band hier bleibt: Das Stück hat Witz, aber nie den peinlichen Anflug einer Karnevalsnummer. Stattdessen sitzt auch hier das Songwriting, und Danu setzt mit seinem Solo einen letzten präzisen Treffer. Entscheidend für das Gelingen ist außerdem die Produktion. Dirk Löber hat der EP einen Sound verpasst, der nicht geschniegelt, aber druckvoll und klar genug aus den Boxen kommt, damit jede Pointe und jede Hook zündet. Dazu passt die Vorgeschichte der Band bestens: Auftritte im Ruhrgebiet, Festivalstationen wie das INDIE Fresse Festival, Beiträge zum Sounds Like Duisburg-Kosmos, Shows in KULT41 und ein Gig im Don’t Panic mit Lion’s Law zeigen, dass hier keine reine Gimmick-Formation am Werk ist. Thin Lassie haben Szeneerfahrung, Kante und ein Profil, das im aktuellen Punkbetrieb angenehm eigenständig wirkt. Dass das Ganze nun auch noch als CD mit Comic kommt, ist am Ende schlicht die passende Form für diese kleine, herrlich verschobene Space-Punk-Mutation.

Unsere Wertung:

8 von 10 Punkten Aliententakeln

Unser Fazit:

Thin Lassie erfinden das Rad zwar nicht neu, aber sie verpassen ihm genug Schmutz, Charme und Science-Fiction-Spinnerei, damit man sehr gern ein Stück mitfährt. „Invaders From Venus“ ist eine kurze, effektive und eigenwillige Punk-EP, die Humor, Haltung und Hooklines deutlich besser zusammenführt als viele deutlich größere Veröffentlichungen.

Mehr zu Thin Lassie im Netz

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