Die Infizierten – „Fear And Loathing (Live In Budapest)“ ein druckvolles Live-Statement aus dem Untergrund (Livevideo) [ Punk | Hardcore | Aggropunk ]

Punk mit Metalkante und Niemals PC, dafür steht die aus dem österreichischen Wien stammende Formation „Die Infizierten“ seit geraumer Zeit mit einer Konsequenz, die sich auch auf „Fear And Loathing (Live In Budapest)” eindrucksvoll niederschlägt. Dieser Mitschnitt setzt nicht auf überproduzierte Konzertästhetik, sondern auf unmittelbare Wirkung: laut, ungeschönt und mit jener physischen Präsenz, die ein Live-Release erst relevant macht. Die Band bündelt ihren Mix aus Punkrock, Deutschpunk, Hardcorepunk und metallisch gefärbter Härte erneut unter dem Etikett Aggropunk und beweist im S8 Underground Club in Budapest, dass diese Stücke gerade auf der Bühne ihre volle Schlagkraft entfalten. Was Veröffentlichungen wie „Bankrotter Punkrocker“ bereits angekündigt haben, erscheint hier noch verdichteter: direkter, schärfer und mit einem Nachdruck, der sich jeder Studio-Kosmetik entzieht. Präsentiert wird Fear And Loathing (Live In Budapest) auch von Martin „Otte“ Örtels Blattturbo.

Schaut hier das volle Konzert

Ein Konzertfilm, der auf Wirkung statt Fassade setzt

Bereits im Zusammenspiel von Pinhead, DOC, N01Z und BANDIT (der inzwischen leider ausgestiegen ist) wird deutlich, warum Die Infizierten live weit mehr sind als eine bloße Reproduktion ihrer Studioaufnahmen. Das Material steht unter Spannung, ohne auseinanderzufallen. Die Gitarren tragen jene metallische Schärfe in sich, die den Songs zusätzliches Gewicht verleiht, während der Bass nicht nur begleitet, sondern das Geschehen mit spürbarem Druck zusammenhält. Darüber legt sich Pinheads raues Organ wie eine permanente Reibungsfläche. Gerade Stücke wie „Heuchler“, „Judas“ oder „Punkpolizist“ profitieren von dieser Verdichtung besonders: Übergänge greifen präzise, Dynamiken werden bewusst ausgespielt, und die rohe Energie bleibt jederzeit gebändigt genug, um den Songs Profil zu geben. Genau daraus bezieht dieser Konzertfilm seine Stärke. Er zeigt eine Band, die Härte nicht mit Beliebigkeit verwechselt.

Die Infizierten 2026 (v.l.n.r.)
N0IZ – Schlagzeug und Hintergrundgesang
Pinhead – Hauptgesang und Bass
DOC – Gitarre und Hintergrundgesang

Klare Haltung, direkte Sprache, null Gefälligkeit

Auch inhaltlich bleiben Die Infizierten auf Kurs. Kommerzdenken, soziale Verrohung, Opportunismus, künstliche Rebellion und der saturierte Stillstand einer bequem gewordenen Gegenwart werden weiterhin frontal adressiert. Dass das funktioniert, liegt an der Ökonomie ihrer Songs: keine umständlichen Ausschmückungen, sondern kurze, wirksame Angriffe mit präzisem Ziel. „Die Infizierten“ entwickelt live noch mehr Gift, „Ekelhaft“ trifft mit rotziger Direktheit, und „Bankrotter Punkrocker“ erweist sich erneut als klug austarierte Verbindung aus Selbstspott, Szenekommentar und heruntergekommener Alltagsbeobachtung. Dass der Band andernorts bereits ehrliche Wucht, ungekünstelte Energie und eine unmissverständliche Haltung zugeschrieben wurden, wirkt angesichts dieses Mitschnitts nur folgerichtig. Hier wird nichts dekoriert, hier wird Stellung bezogen.

Schaut hier die Lyric-Videos zur kompletten EP „Bankrotter Punkrocker“ von Die Infizierten

Roh im Zugriff, kontrolliert im Aufbau

Bemerkenswert ist vor allem, dass „Fear And Loathing (Live In Budapest)” den Fehler vermeidet, Live-Energie durch nachträgliche Glättung zu neutralisieren. Die Produktion belässt dem Material seine Kanten, ohne in akustische Unordnung abzugleiten. Die Gitarren tragen Schmutz, das Schlagzeug schiebt nach vorne, und selbst dort, wo nicht jeder Ton geschniegelt sitzt, gewinnt das Gesamtbild eher an Glaubwürdigkeit als dass es verliert. Entscheidender ist ohnehin etwas anderes: Die Songs bleiben strukturell fassbar, die Riffs setzen Akzente, Refrains entfalten Wirkung, und die Setlist ist mit erkennbarem Gespür gebaut. Zwischen kompromisslosem Druck und kurzen Momenten des Luftholens entsteht ein Spannungsverlauf, der den 15 Tracks Kontur verleiht. Auch die Bildführung von Péter Drapkó erfüllt diese Aufgabe überzeugend: dicht genug dran, um Intensität einzufangen, aber ohne den Clubcharakter durch übertriebenen Schnitt zu zerstören. Die Nachbearbeitung durch Philipp Gottfried verleiht dem Ganzen schließlich jene Geschlossenheit, die einen Mitschnitt vom simplen Szenedokument zum ernstzunehmenden Release erhebt.

Mehr als Fanmaterial: ein belastbares Live-Statement

Die eigentliche Qualität dieses Konzertfilms liegt darin, dass er nicht behaupten muss, was Die Infizierten ausmacht, sondern es in Echtzeit vorführt. „Nichts Ist Wie Es Scheint“, „No More“, „Geiz Ist Geil“ oder „Schachmatt“ funktionieren nicht allein über Parolen, sondern auch über musikalische Geschlossenheit und sauberes Ineinandergreifen. Gerade in einem Feld, in dem Attitüde oft mehr Aufmerksamkeit bekommt als Substanz, ist das alles andere als selbstverständlich. Hier stehen Wucht, Direktheit und Zusammenspiel in einem Verhältnis, das die Songs trägt, statt sie zu verwässern. Deshalb eignet sich „Fear And Loathing (Live In Budapest)” nicht nur als Belohnung für bereits Überzeugte, sondern ebenso als schlüssiger Einstieg in eine Band, die sich ihren Platz zwischen Deutschpunk, Hardcore und metallischer Härte hörbar erarbeitet hat.

Unsere Wertung:

8 von 10 Metalhands!

Unser Fazit:

Die Infizierten liefern mit „Fear And Loathing (Live In Budapest)” einen Konzertfilm ab, der weniger auf Inszenierung als auf Präsenz setzt und gerade dadurch überzeugt. Das Release bündelt die Live-Stärken der Band in einer rauen, druckvollen und glaubwürdigen Form und bringt ihren Aggropunk mit Nachdruck, Schweiß und klarer Kante auf den Punkt.

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