Neun Jahre haben sich Europe seit ihrem letzten Studioalbum Zeit gelassen. Mit „Come This Madness“ kehren die schwedischen Hard-Rock-Veteranen nun zurück und präsentieren elf Kompositionen, die klassische Rockmusik mit zeitgemäßen Arrangements verbinden. Dabei fällt besonders auf, wie selbstverständlich die Musiker zwischen schweren Gitarrenriffs, melodischen Refrains und ausgedehnten Instrumentalpassagen wechseln. Die Produktion besitzt ordentlich Druck, ohne den natürlichen Charakter der Instrumente zu verlieren. Auch musikalisch machen Europe eine hervorragende Figur, wenngleich nicht jede Komposition gleichermaßen überzeugt.
Zwischen schweren Gitarren und eingängigen Melodien
„One on One“ eröffnet die Platte mit orchestralen Klängen, bevor John Norums Gitarre und ein kräftiger Basslauf das Kommando übernehmen. Das Stück entwickelt einen angenehmen Groove und bietet bereits einen ersten Vorgeschmack auf die musikalische Fingerfertigkeit der Beteiligten. Besonders gelungen ist das Zusammenspiel zwischen John Levén und Ian Haugland, die mit Bass und Schlagzeug ein ausgesprochen druckvolles Fundament schaffen. „The Cult of Ignorance“ setzt anschließend auf einen eingängigen Refrain und eine interessante Verbindung aus Gitarren und Keyboards. Der Titeltrack fällt hingegen schwerer aus und erinnert mit seiner Orgelarbeit stellenweise an klassische Deep-Purple-Kompositionen.
Mit „This Time of Year“ nehmen Europe das Tempo heraus. Joey Tempest überzeugt bei dieser Ballade durch seine gefühlvolle Gesangsführung, während Piano und Gitarren eine passende Atmosphäre erzeugen. Wesentlich energischer präsentiert sich „Scandinavian Eyes“, dessen ausladende Instrumentalpassagen besonders Norums technische Fähigkeiten zur Geltung bringen. Seine Soli besitzen eine beeindruckende Präzision bei der Instrumentenführung, bleiben aber stets melodisch nachvollziehbar. Auch „Takin’ It Back“ gefällt durch seinen direkten Charakter und die geschickt aufeinander abgestimmten Gitarren- und Orgelpassagen.
Musikalisches Können und eine durchdachte Produktion
Das von Tom Dalgety produzierte und von Mike Fraser gemischte Album überzeugt durch sein ausgewogenes Sounddesign. Die Instrumente erhalten ausreichend Raum, wodurch eine differenzierte Klangbühne entsteht. Tempests Stimme bleibt selbst in den härteren Passagen präsent, während die Rhythmussektion für den nötigen Druck sorgt. Gerade bei „The Devil’s Back“ kommt diese Abstimmung besonders gut zur Geltung. Das abschließende „Nothing Can Follow This“ zeigt außerdem einige progressive Ansätze. Allerdings erreichen die späteren Stücke nicht durchgehend die melodische Qualität der ersten Albumhälfte. Hier hätten Europe durchaus etwas konsequenter komponieren können.
Unsere Wertung:
8,5 von 10 Metalhands!
Unser Fazit:
„Come This Madness“ ist ein gelungenes Hard-Rock-Album, auf dem Europe ihre Erfahrung und ihr instrumentales Können wirkungsvoll einsetzen. John Norum überzeugt mit seiner präzisen Gitarrenarbeit, Joey Tempest liefert eine starke Gesangsleistung und das Zusammenspiel von Bass, Schlagzeug und Keyboards verdient ebenfalls Anerkennung. Die Produktion verbindet einen kraftvollen Klang mit ausreichend Dynamik und räumlicher Transparenz. Kleinere Schwächen beim Songwriting verhindern zwar eine noch höhere Bewertung, insgesamt präsentieren die Schweden jedoch elf abwechslungsreiche Titel, unter denen sich einige ausgesprochen starke Kompositionen befinden. 8,5 von 10 Metalhands!

Trackliste
- One on One
- The Cult of Ignorance
- Come This Madness
- This Time of Year
- In a Different World
- Scandinavian Eyes
- Takin’ It Back
- In the Absence of Grace
- The Angels Must Have Flown
- The Devil’s Back
- Nothing Can Follow This
Credits
Interpret: Europe
Titel: Come This Madness
Herkunft: Schweden
Format: Album | CD, Vinyl und digital
Veröffentlichung: 25. September 2026
Spielzeit: ca. 41 Minuten
Genre: Hard Rock | Classic Rock | Melodic Rock
Label: Silver Lining Music / Hell & Back Recordings
Produktion: Tom Dalgety
Mix: Mike Fraser
Aufnahme: RMV Studio, Stockholm
Besetzung: Joey Tempest – Gesang | John Norum – Gitarre | John Levén – Bass | Mic Michaeli – Keyboards | Ian Haugland – Schlagzeug
Gastmusiker: Tobias Forge (Ghost) und Mikael Åkerfeldt (Opeth) – Hintergrundgesang
Albumartwork: Storm Studios
Mehr zu Europe im Netz
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Come This Madness auf Spotify