Vier Meter Hustensaft – Zurück mit einem Atomschlag mit „Dreckige Kohle“ (Musikplaylist) [ Punk | Punkrock | Deutschpunk ]

Manche EPs fühlen sich an wie ein sauber gesetzter Tritt in die Schienbeine: kurz, unangenehm, aber danach bist du wach. Vier Meter Hustensaft liefern mit „Dreckige Kohle“ genau so ein Teil ab – drei frische Studiosongs, die nicht lange fackeln, plus ein Live-Nachschlag, der den Schweiß gleich mitliefert. Das Ding hat diese „Büdchen um drei Uhr morgens“-Ehrlichkeit: keine große Pose, kein Aufblasen, sondern Punkrock, der so direkt kommt, dass du beim Hören fast den Geruch von kaltem Rauch und nasser Jacke in der Nase hast. Dass die Band in jüngerer Vergangenheit auch personell neu sortiert wurde, läuft dabei eher am Rand mit – wichtiger ist: Die Punkrocktruppe läuft und klingt dabei breiter, bissiger und erstaunlich fokussiert.

Dreckige Kohle! Hört die Songs und schaut den Live Clip hier KOSTENLOS

Sound: Schnellfeuer, aber nicht eindimensional

Musikalisch sitzt „Dreckige Kohle“ im klassischen Spannungsfeld aus Punkrock-Tempo und Hardcore-Kante: Drums nach vorne, Bass als Rammbock, Gitarren griffig und aggressiv. Auffällig ist, dass Vier Meter Hustensaft die Songs nicht nur „runterprügeln“, sondern mit kleinen Details aufwerten – etwa durch melodische Gitarrensoli, die nicht nach Selbstdarstellung riechen, sondern den Tracks zusätzliche Haken geben. Das sorgt dafür, dass die EP trotz kurzer Laufzeit nicht wie ein und derselbe Sprint klingt, sondern wie mehrere kurze Schläge, die jeweils anders treffen.

Copyright – Vier Meter Hustensaft

Was Ich Dringend Brauche„: Anti-Alltag, Pro-Bier

„Was Ich Dringend Brauche“ wirkt wie die konsequente Weiterführung der älteren Nummer „Bier“ – nur dass hier nicht mehr verzichtet, sondern wieder umarmt wird. Inhaltlich ist das eine Ich-Perspektive aus genervter Stadtdunst-Blase: Dreck, Gier, nervige Menschen, dieses permanente Gefühl, dass du laufen kannst wohin du willst und trotzdem überall dieselbe Tristesse klebt. Die Pointe ist kein großes Weltrettungsprogramm, sondern der radikal einfache Reflex: Wenn alles stinkt, muss etwas her, das kurz entlastet – und das heißt hier eben Bier. Musikalisch ist das Uptempo-Punkrock mit ordentlich Schlagzeugdruck von Dirk Löber, hymnischem Refrain und genau dem Augenzwinkern, das verhindert, dass der Song zur plumpen Suff-Nummer verkommt.

Dreckige Kohle„: Westwärts, bodenständig, ohne Goldrand

Der Titeltrack „Dreckige Kohle“ ist der Punkt, an dem die EP am deutlichsten zeigt, wie viel Textarbeit in Punk stecken kann, ohne verkopft zu wirken. Im Kern geht’s um einen Lebensentwurf gegen den Glitzer der Kö: statt Gucci lieber Büdchen, statt Champagner lieber Bier, statt Statussymbol lieber Freunde, Orte, Nächte. Dazu kommt der Blick auf die eigene Region und ihre Geschichte – Kohle, Stahl, Generationen – und die sehr unpompöse Schlussfolgerung: Entscheidend ist nicht, ob dein Job „glänzt“, sondern ob du dabei glücklich wirst. Gesanglich rückt hier besonders Thiemo Schröder in den Fokus und gibt dem Song eine zweite Farbe, die den Refrain noch stärker trägt.

Copyright – Vier Meter Hustensaft

Der Allergrößte: Abrechnung im Turbogang

Der dritte neue Track „Der Allergrößte“ ist die schnellste Faust der EP: eine Abrechnung mit selbstverliebten, empathielosen Großmäulern, die sich für das Zentrum des Universums halten. Inhaltlich wird das Ego-Gehabe entlarvt, musikalisch gibt’s eine massive Punkrock-Soundwall im Geschwindigkeitsrausch – mit melodischen Gitarreneinschüben, die den Song nicht glätten, sondern noch giftiger machen.

Live in Die Börse, Wuppertal: Bühne statt Studiofilter

Zum Schluss folgt „Was Ich Dringend Brauche“ als Live-Version aus Die Börse in Wuppertal – als Video und als Audiospur. Hier zeigt sich, dass Vier Meter Hustensaft live nicht „reproduzieren“, sondern abreißen.

Vier Meter Hustensaft Live Erleben zumindest auf Video

Dass bei der Aufnahme noch Andreas Wagner am Bass dabei war (sein Mikro soll nicht funktioniert haben) und später Philipp Wachter übernahm, macht die EP zusätzlich zu einem Übergangsdokument – und sorgt dafür, dass sogar die Bass-Spur eine kleine Timeline erzählt.

Digitale Deluxe Version mit Bonuszeugs bei bandcamp:

Auch das Drumherum sitzt: Das Cover lässt – bis auf wenige, sehr gezielt gesetzte Elemente – erstmal nicht zwingend auf eine klassische Punk-Produktion schließen, eher wirkt es wie ein artverwandter Seitenhieb aus einer anderen Ecke. Genau das macht’s aber so stark, weil der Kontrast genial aufgeht: Die Optik tarnt nicht, sie reizt, und wenn die EP dann loslegt, wirkt das wie die perfekte Pointe auf den ersten Blick. Nach Bandidee wurde das Ganze vom NRT-RecordsChefchen Philipp Gottfried und Geo Hilse finalisiert; vor allem die Bandcamp-Edition fährt Extras wie digitales Booklet, Wallpaper und das Live-Video auf.

Unsere Wertung:

8 von 10 Metalhan—- äh wir Meinen Irokesen!

Unser Fazit:

Vier Meter Hustensaft setzen mit „Dreckige Kohle“ ein kurzes, scharfes Lebenszeichen, das die Lust auf mehr eher anheizt als beruhigt.

Mehr zu Vier Meter Hustensaft im Netz:

Vier Meter Hustensaft bei Facebook:
https://www.facebook.com/4MeterHustensaft

Vier Meter Hustensaft bei Bandcamp:
https://viermeterhustensaft.bandcamp.com/

Vier Meter Hustensaft bei den Musikdiensten (Linksammlung):
https://fanlink.tv/4mhs

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