Mehrere Jahre Pause können eine Band zerfasern – oder sie wie Stahl härten. Bei Shepherds Of Cassini ist Letzteres passiert: In Thrall to Heresy wirkt nicht wie ein vorsichtiges „Wir sind wieder da“, sondern wie ein selbstbewusstes Zurückmelden mit Nachdruck. Das Quartett aus Auckland verbindet Psychedelic Progressive Metal mit Post-Metal-Schwerkraft und progtypischer Detailversessenheit, ohne dabei in sterile Mathe-Spielchen abzudriften.
Die große Stärke dieses Albums ist das homogene Zusammenspiel: Hier spielt niemand „gegen“ den Song, sondern alles „für“ den Song. Die Electric Violin von Felix Lun ist nicht der Zirkus-Act, der ständig „Achtung, Alleinstellungsmerkmal!“ ruft, sondern eine zusätzliche Stimme im Arrangement – mal als hypnotische Textur, mal als melodischer Leitfaden, der die Stücke zusammenbindet. Darüber legt Brendan Zwaan Gitarren, Keys und Vocals so, dass sich Atmosphäre und Angriffslust nicht gegenseitig blockieren, sondern gegenseitig hochschaukeln.
Und dann dieses amtliche Fundament: Bass und Schlagzeug stehen wie eine Mauer, aber mit Bewegung drin. Vitesh Bava liefert keinen bloßen „Untenrum“-Support, sondern einen tonangebenden Puls – mal knurrend und fuzzig, mal melodisch und tragend. Omar Al-Hashimi wiederum trommelt mit spürbarer Wucht, ohne die Grooves zu erschlagen: Akzente sitzen, Dynamik bleibt lebendig, und die oft verschachtelten Rhythmen wirken nie wie Selbstzweck, sondern wie dramaturgische Spannungsregler.

Produktionstechnisch gibt’s ebenfalls kaum Angriffsfläche. Mit Dave Rhodes am Pult klingt In Thrall to Heresy groß, tief und definiert – genau die Art von Sounddesign, die man für dieses hybride Biest braucht. Die Gitarren haben Biss, ohne zu sägen, der Bass ist präsent, ohne zu dröhnen, und die vielen Effektfarben (Hallräume, Modulationen, psychedelische Vernebelungen) werden nicht zur Tapete, sondern zur Erzählebene. Das Album fühlt sich wie aus einem Guss an, obwohl es permanent die Temperatur wechselt: von schwebend zu bedrohlich, von hypnotisch zu brachial.
Unsere Wertung:
9 von 10 Metalhands
Unser Fazit:
Im Gesamten ist das hier ein modernes Prog/Post-Metal-Statement, das nicht nach „Trend“ klingt, sondern nach Charakter. Shepherds Of Cassini beweisen, dass Komplexität und körperliche Wucht sich nicht ausschließen – im Gegenteil: Wenn das Handwerk stimmt, wird’s erst richtig spannend. Wer auf schwere, psychedelisch angehauchte Progressive-Kost mit Substanz steht, sollte das Ding nicht nur antesten, sondern am Stück konsumieren.
Mehr zu Shepherds Of Cassini im Netz:
Shepherds Of Cassini – Die offizielle Webseite:
https://www.shepherdsofcassini.com/
Shepherds Of Cassini – Bei Instagram:
https://www.instagram.com/shepherdsofcassini
Shepherds Of Cassini – Bei den Musikdiensten (linksammlung):
https://www.shepherdsofcassini.com/music/inthralltoheresy