[Review] Excruciation - [g]host

[Review] Excruciation - [g]host
05 Mai
2014

Als Excruciation im Jahre Orwell’s ins Leben gerufen wurden, um jugendlichen Frust abzulassen, haben viele ihrer heutigen Anhänger noch gar nicht gelebt. Im Gegensatz dazu sind die Kameraden der ersten Stunde heute erstens verheiratet und wagen sich zweitens kaum mehr in die Regionen schattiger Doom Death Kapellen hinein. Den Fabrikanten von Excruciation geht es im ersten Punkt ähnlich. Im zweiten Punkt aber unterscheiden sie sich grundsätzlich vom üblichen Absterben rebellischen Geistes und der Entwicklung zum faden Bünzli.

Die Excruciation-Seuche grassiert nun seit der Wiedervereinigung schon genauso lange wie sie in den achtziger Jahren für Unheil gesorgt hat. Dabei ist sie aktiver denn je: "[g]host" ist bereits die dritte Volllängeinfektion seit dem Wiederausbruch. So manch einer wird dabei erste Auswirkungen der Impfkampagne spüren, sind die Stücke doch etwas gemächlicher und sanfter geworden. Aus pulsierenden Pestvulkanen wurden schleppende Gitarrenspiele, aus eiterndem Kehlenkrebs wuchsen sanftere Gesänge und monströse Metastasen haben sich therapieren lassen. Excruciation hat sich von einer Kampfseuche in ein reifes Schleppmonster verwandelt und sich von der Bauchebene in die Kopfebene gehievt. Will heissen: Die Teile sind variabler, durchdachter und sophistizierter geworden, haben aber dadurch etwas an Durchschlagskraft, nicht aber an emotionaler Wucht verloren. So wirken einige Stücke nicht mehr so brachial, aber dafür sphärischer. Dazu tragen insbesondere ein paar Samples, wenige Synths und weiblicher Sprechgesang beispielsweise in "Under the Linden Tree" deutlich bei. Der Komparativ soll aber hier nicht darüber hinwegtäuschen, dass Excruciation sich insgesamt ihrem heftig doomigen Stil treu geblieben.

Excruciation überträgt sich trotz der zeitweiligen Temporeduktion weiterhin direkt vom Ohr ins Zwerchfell und hinterlässt seine tieftönenden Spuren. Der Todestahlvirus ist jedoch dem Doomkrebs etwas gewichen, so dass die Dreierinfektion von Doom, Thrash und Death deutlich ins erstere kippt. Dies ist aber besonders der Fall, weil die Tempowechsel innerhalb der Kompositionen deutlicher variieren und nicht weil unter den Stücken mehr ruhige Nummern auftreten. Dennoch donnern etliche Kompositionen wie der Murmansker Doppelschlag in traditioneller Excruciation Manier in alle triefenden Todestahlwunden.

Insgesamt grassiert Excruciation etwas weniger infektiös, ist etwas ruhiger geworden und schlägt nicht mehr ganz so explosiv ein. Für eine Pandemie wird es dieses Mal deshalb leider nicht ganz reichen. Aber mit hochkontagiösen Werken wie "Devil wears Christ" und dem grandiosen Stampfer "Monther South" können wir uns mit "[g]host" auf eine europaweite Epidemie gefasst machen, die kaum einen Doom Death Freund verschont lässt. Immun bleibt keiner.

Quelle: plugins/system/oyl/redirect.php?oyl=WhF0NQANNFbIQWSXQ8acUk%2FMd7GaJJP%2FmuENLSRDwSI%3D

Weitere Informationen

  • Vö: Freitag, 16 Mai 2014
  • Wertung: 5 von 8 Metalhands
  • Punkte: 10 von 13
  • Herkunft: Schweiz
  • Label: Auric Records
  • Genre: Doom Death Metal

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