[Review] Epica - The Quantum Enigma (2014)

[Review] Epica - The Quantum Enigma (2014)
03 Mai
2014

Okay. Ich gab dem neuen Output von Epica "The Quantum Enigma" nun mehrere Durchläufe und liess es in mein Stammhirn eintropfen. Man sollte wissen, dass ich bekennender Symphonic- Female Fronted- und Bombast-Fan bin, damit man mir als Reviewer meine Meinung hinterher nicht als subjektives Vernichtungswerkzeug um die Ohren schlagen möge. Aber kommen wir zu den harten Fakten...

Simone Simons und ihre Mannen kommen recht schnell nach der Geburt von Simones Kind wieder mit neuem Material um die Ecke. "The Quantum Enigma" heisst die Scheibe. Simone hat an ihrer Stimmhöhe geschraubt und fährt nun stellenweise eine tiefere Gangart, jedoch sind auch wieder genügend Ausflüge in sphärische Höhen vorhanden, um den Liebhaber auch dieser Tonlage zufrieden zu stellen. Erneut wurde mit vielköpfigem Chor und Orchester gearbeitet, erneut sind die Songs in Struktur, Dynamik, dramatischem Aufbau und Melodik superb ausgearbeitet und wohlgefällig vorgetragen, und erneut lauert Bombast allüberall. Als Paradebeispiel sei hier nur der Opener "The Second Stone" erwähnt, der pfeilschnell durch die Decke schiesst und gleich alles in die Waagschale wirft, was man den Rest des Albums (ausser bei der überragenden Ballade "Canvas Of Life", bei der erst nach der ersten Songhälfte dezent die Band komplett einstimmt und auch der Chor/Orchestereinsatz merklich zurückgenommen wird) um die Hörmuscheln serviert bekommt. Die Produktion ist sauber, kristallklar und druckvoll, hier sassen mit Jacob Hansen und Joost van der Broek ja nun auch wahrlich keine Stümper bei der Arbeit.

Alles super, alles Friede, Freude und Eierkuchen? Volle Kaufempfehlung?! Mitnichten!

Gerade im Bombast liegt dieses Mal das Problem von Epica. Man hat wohl - nach dem schon legendären 3-Stunden Konzert "Retrospect" im März 2013 - geglaubt, man müsse nach dem Erfolg dieses Ereignisses und der zugehörigen CD/DVD Releases mit dem neuen Album da noch einen draufsetzen. Was live eine wunderbare Symbiose eingegangen ist, weil sich Band und Orchester brilliant ergänzten und sich ansonsten gegenseitig den nötigen Freiraum liessen, um Farbtupfer in die Metal/Klassik Melange zu setzen, geht eigentlich auf "The Quantum Enigma" voll nach hinten los. Klar klingt jeder Song für sich genommen und alleine gehört wie aus einem Guss mit allem, was der Symphonic Rock Fan so braucht und liebt... jedoch am Stück gehört wirkt das alles zu überfrachtet und wie zuviel auf einmal gewollt. Es ermüdet beim Hören und es bleibt auch kein Song wirklich hängen. Da werden in fast jedem Song selbst zwischen den Strophen und sogar stellenweise in kleinsten Lyricpausen Chor und Orchester eingewoben und kleistern alles zu, was die Band an Härte einzubringen versucht. Was zum Beispiel Xandria in ihrem aktuellen Meisterwerk "Sacrificium" (Review von uns HIER) richtig gemacht haben, nämlich das Orchester bewusst als Stilmittel für eindrucksvolle Momente oder dramatische Nuancen einzusetzen, gerät auf der neuesten Epicascheibe zum Dauerohrgasmus, dem die eigentliche Wucht des Chors und auch des Orchesters durch die permanente Dauerberieselung einfach abhanden kommt. Man ist da kompositorisch um Einiges übers Ziel hinausgeschossen.

Fazit: wenn einem wirklich nur übrigbleibt, die Ballade eines Metalalbums als herausragendsten Song zu nennen, weil der Metal einer an sich hervorragenden Truppe durch den Dauerbombast erschlagen wird, kann es selbst für ein handwerklich perfektes Album keine Höchstnote geben. Leider landen Epica meiner Meinung nach nur ein Album des besseren Durchschnitts... sehr, sehr schade, hatte gerade ICH mich auf dieses Album wirklich gefreut.

Weitere Informationen

  • Vö: Freitag, 02 Mai 2014
  • Wertung: 4 von 8 Metalhands
  • Herkunft: Niederlande
  • Label: Nuclear Blast
  • Genre: Symphonic Metal

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Harald Bitch

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