[Interview] Tarja Turunen: Ich musste mir alles hart erarbeitet!

v.l. Tarja, Alexander Stock (Metal-FM.com) v.l. Tarja, Alexander Stock (Metal-FM.com) © 2016 by Alexander Stock (Metal-FM.com)

Kitee ist eine Stadt im Osten von Finnland an der Grenze zu Russland, die Einwohnerzahl liegt derzeit bei knapp 11000. Eine der bekanntesten Töchter dieser Stadt ist die 1977 geborene Tarja Soile Susanna Turunen Cabuli, besser bekannt als Tarja Turunen oder schlicht Tarja. Bis Ende des Jahres 2005 war sie Sängerin der weltweit bekannten und erfolgreichen Symphonic Metal Band Nightwish. Seit nun zehn Jahren ist Tarja Solo unterwegs, der Erfolg ist auch als Solistin geblieben. Im Sommer 2016 bringt sie mit "The Brightest Void" (Juni) und "The Shadow Self" (August) gleich zwei Alben heraus, unter anderem eines der Themen, über die wir mit ihr sprechen konnten. Wir trafen Anfang August eine sehr sympathische, relaxte Tarja, keine Spur von Arroganz und Überheblichkeit! An dieser Stelle noch einmal einen ganz herzlichen Dank für die investierte Zeit trotz proppenvollen Terminkalender …

Metal-FM.com: Hi Tarja, danke dass du dir kurz Zeit für unsere User nimmst

Tarja Turunen: Hallo Alexander, ich hab zu danken dass du den Weg auf dich genommen hast …

Metal-FM.com: Du giltst - zusammen mit deiner ehemaligen Band Nightwish - als "Erfinderin/Pionierin" des "Female-Symphonic Metal", viele Bands mit ähnlichem Stil wie Within Temptation, Xandria, Visions of Atlantic oder Evanescence folgten eurem Beispiel, ist man stolz, hier etwas angestoßen zu haben?

Tarja Turunen: Vor einigen Wochen habe ich Dianne van Giersbergen (Xandria) getroffen welche mir sagte, dass ich eigentlich für ihren musikalischen Werdegang verantwortlich war, ich war ihr Vorbild. Als ich jünger war hätte ich mir das alles nicht vorstellen können, eine Pionierin des Female-Metal zu sein, nun ist es aber wie es ist, ich empfinde es als eine Ehre, als eine solche bezeichnet zu werden. Zu diesem Status bin ich aber nicht über Nacht gekommen, das war vor allem eines: Harte Arbeit. Auch heute noch trainiere ich permanent meine Stimme, zusammen mit meinem Vokal-Coach, welcher in Argentinien lebt. Das Trainieren gibt mir zum einen das Selbstbewusstsein auf der Bühne, zum anderen lässt mich dieses die Rockstücke um einiges leichter interpretieren.

Metal-FM.com: Deine Solo-Karriere war vom ersten Album an sehr erfolgreich, alle Alben platzierten sich hoch in den Album-Charts, "My Winter Storm" erreichte unter anderem in Deutschland Gold-Status, wie wichtig ist dir das und verspürt man Druck für das Nachfolge-Album?

Tarja Turunen: Für mich ist es nicht unwichtig, dass die Fans meine Alben kaufen, ist es doch ein Zeichen, dass ihnen meine Musik gefällt. Zudem kann ich für mich  behaupten, sehr loyale Fans zu haben, Fans, die mich seit den Nightwish-Zeiten hören und unterstützen. Das Wohl und Wehe eines Künstlers liegt aber nicht in den Verkaufszahlen des jeweiligen Albums, diese Zeiten sind seit Jahren vorbei. Am wichtigsten für uns Künstler sind die Live-Konzerte, und da man dort nicht immer die gleichen Songs spielen will,  sind die Alben ein wichtiger Bestandteil. Es ist dabei aber unerheblich, ob das Album auf Platz eins, drei oder sieben in den jeweiligen Charts einsteigt, wobei eins natürlich schöner ist (lach). Ich selber stecke in jedes Album sehr viel Herzblut herein, beteilige mich auch am Cover-Artwork, weil auch dieses für mich extrem wichtig ist!

Metal-FM.com: Zum aktuellen Album "The Brightest Void" - ein Vorgeschmack auf das reguläre Album "The Shadow Self" : Wie ich finde sehr abwechslungsreich, erzähl doch bitte kurz, wie es zur Zusammenarbeit mit Chad Smith und Michael Monroe gekommen war, hattest du die beiden kontaktiert, kanntet ihr euch bereits vorher?

Tarja Turunen: Beide waren Pioniere in ihren Genres. Michael Monroe habe ich bei der Fernsehsendung "The Voice" kennen und schätzen gelernt, wir wurden Freunde, auch außerhalb dieser Sendung. Wir hatten an einen dieser Tage ganz locker über ein gemeinsames Projekt gesprochen, aus diesem lockeren Gespräch wurde dann ein ganz intensives und wir begannen schlussendlich am nächsten Tag mit dem Schreiben. Chad Smith ist ein Freund meines Bassisten, er spielt unter anderem in einer Band zusammen mit Chad (nicht die RHCP). Er hatte mir schon vor einiger Zeit mitgeteilt, dass - wenn ich mal einen Schlagzeuger benötige - Chad diesen Part übernehmen würde. Da schaute ich ihn nur ungläubig an und brachte einzig ein "reallyyyyyyyyyyyy" ? heraus (lach). Es ist ja nun nicht irgendjemand,  um den es hier geht, wir sprechen über Chad Smith, den Drummer der Red Hot Chilli Peppers! Ich hatte tatsächlich einen Song für Chad und schickte ihm diesen. Am Ende wirkte Chad bei insgesamt fünf Titeln mit, es schien ihm wohl zu gefallen!

Metal-FM.com: Dann folgt im August dein "offiziell" neues Album "The Shadow Self", kannst du uns etwas über die Entstehung, Texte, Musikrichtung erzählen? Kommen zum Beispiel alle Texte von Dir, woher nimmst du die Ideen ….

Tarja TurunenNachdem ich lange bei Nightwish Mitglied gewesen bin, war es eine große Herausforderung für mich, alleine Songs zu schreiben. Man muss sich öffnen, um über Dinge zu schreiben! Dass ganze war ein längerer Prozess, welcher nach zehn Jahren leichter fällt als in den Anfangstagen. Schreiben tue ich über die Dinge die ich sehe, über Geschichten welche ich erlebe oder über die ich mit anderen Menschen spreche. Das Bootleg vom Album ist bewusst in schwarz und weiß gehalten, weiß steht für meine positive Einstellung allen Dingen gegenüber, schwarz symbolisiert die Dunkelheit, welche in mir schlummert und mich schreiben lässt.

Metal-FM.com: Dann hast du im letzten Winter Konzerte in Kirchen in Europa gegeben, wie war diese Tour für dich, ist ja dann doch etwas anderes als wenn man eine Rock-Show im Club spielt …

Tarja Turunen: Ich liebe es, an solchen Orten zu spielen, wirklich. Ich bin ja mit klassischer Musik aufgewachsen, es ist natürlich etwas ganz anderes, als in einem Club aufzutreten und Rock zu interpretieren. Aber du wirst es nicht glauben, wie viele Rockfans in den Kirchen gewesen waren, meine Fans sind wirklich sehr loyal. Und genau diese Rockfans waren es, welche mir nach den Auftritten die Frage stellten "Warum nimmst du nicht auch solche Events auf, die Musik ist zwar anders aber trotzdem klasse":

Metal-FM.com: Du bist in Wacken - einem ganz anderen Ort als eine Kirche - am Sonnabend einer der Headliner, mit welchen Gefühlen steht man dort auf dieser riesigen Bühne und wie lange dauern für so einen Auftritt die Planungen?

Tarja Turunen: Es wird bei dieser Wacken Show einige "Specials" geben, dazu natürlich Pyros und einiges mehr. Ich bin sehr stolz darauf, nun ein weiteres Mal auf eine der Hauptbühnen performen zu dürfen, dieses sehe ich als nicht selbstverständlich an. Die Dauer der Vorbereitung kann ich nicht ganz genau angeben, es sind aber mehrere Tage, kurzfristig wäre aufgrund der Größe der Bühne und der Anzahl der "Special Effekts" unverantwortlich.

Metal-FM.com: Dann bist du im Herbst mit den beiden neuen Alben im Gepäck auf Club-Tour, wie schwierig fällt dir die Titelauswahl? In den Jahren sind ja nun schon einige Alben zusammen gekommen mit entsprechend vielen Songs…

Tarja Turunen: Die Songs wähle ich selber aus, das aktuell schöne ist, dass ich dieses aus mehreren Alben machen kann. Es ist aber nicht so einfach, wie man sich das im Allgemeinen vorstellt. Mein Bestreben ist es, jede Show ein wenig anders zu gestalten, sprich nicht immer die gleiche Setlist zu spielen. Dann achte ich auch darauf, dass ich an Orten, wo ich bei der letzten Tour zu Gast war, andere Songs im Gepäck habe als bei der letzten, nichts ist schlimmer als sich zu wiederholen.

Metal-FM.com: Wenn man sich die aktuelle Situation in der Welt anschaut, Anschlag in Paris im November, viele Probleme in der Türkei, andere Krisen in Europa, mit welchem Gefühl geht man Abend für Abend auf die Bühne, wird man wachsamer, vorsichtiger oder lebt man nach dem Motto "The Show must go on"?

Tarja Turunen: Ich bin nun seit 4 Jahren Mutter einer Tochter, da hat sich die Wachsamkeit doch sehr geändert. Wenn man ein kleines Leben in den Händen hält, achtet man auf fast alles, was um einen herum passiert. Auch ein Grund, warum wir aus Argentinien - wo wir seit Jahren gelebt haben - Richtung Spanien weggezogen sind. Das mit dem aufpassen, wenn ich auf Tour bin ist zwar leicht gesagt, lässt sich aber nur sehr schwer umsetzten. Ich hab teilweise wirklich fanatische, teils enthusiastische Fans, diese kann und will ich nicht vor den Kopf stoßen, der Job als musikalischer Künstler ist halt nicht risikolos.

Metal-FM.com: Wie du ja eben schon mitgeteilt hast, ist deine Tochter schon fast 4 Jahre alt, besucht sie schon den Kindergarten? Wie schwierig ist es mittlerweile für Dich, Job und Familie unter einen Hut zu bekommen, wer unterstützt dich oder begleitet dich und deine Familie auf Tour?

Tarja Turunen: Bis zum heutigen Tage gehen wir zusammen auf Tour, begonnen haben wir damit als meine Tochter 4 Monate war. Dieses ändert sich aber in naher Zukunft, da sie - wenn sie 5 Jahre alt ist - in Spanien dann zur Schule gehen wird. In Spanien beginnen die Kinder ein Jahr früher mit der Schule wie die Kinder hier in Deutschland oder anderen europäischen Ländern.

Metal-FM.com: Du gehst also nicht nach Finnland, sondern ziehst nach Spanien …

Tarja Turunen: Genau, ich lebe schon so viele Jahre nicht mehr in Finnland, weggezogen bin ich da ich glaube im Jahre 2000, nach Argentinien. Klar vermisse ich viele Dinge wie Freunde und Familie, die Art dort zu leben, sicher zu leben. Aber ebenso vermisse ich die Dunkelheit, den langen Winter überhaupt nicht. Es ist wirklich kein einfaches Leben in Finnland, eben wegen der Dunkelheit, viele Menschen werden in meiner Heimat deswegen depressiv.

Metal-FM.com: Das glaube ich gerne. Dann deiner Tochter viel Spaß nächstes Jahr in der Schule, dir viel Erfolg mit dem neuen Album, alles erdenklich Gute bei deinem Wacken Auftritt und auf der kommenden Tour. Die letzten Worte sind deine …

Tarja Turunen: Vielen Dank an meine Fans für die jahrelange Unterstützung, ich würde mich freuen, wenn den Menschen meine neuen Alben gefällt und sie mich auf der nächsten Tour live sehen wollen. Und nochmal einen Dank an Dich für das Interview.


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